G e s c h i c h t e   d e r   M a k r o b i o t i k

Die Wurzeln der modernen Makrobiotik liegen in Japan. Georges Ohsawa (1893–1966) bezeichnete die von ihm daraus abgeleitete Philosophie mit den zugehörigen Ernährungsregeln als Makrobiotik und machte sie in Europa und den USA bekannt. Nach Ohsawas Tod entwickelten seine Schüler (u.a. Aveline Kushi, Michio Kushi, Cornelia Aihara, Hermann Aihara) die moderne Makrobiotik weiter, ergänzten sie und passten sie an die westlichen Lebensverhältnisse an. Im Laufe der Zeit entstanden zwei Hauptrichtungen in der Interpretation der Lehre Ohsawas. Die traditionelle Auslegung, wie sie in den Kushi-Instituten gelehrt wird, und die angepasste Makrobiotik, wie sie Kushi-Schüler Steven Acuff (*1945 in Idaho, USA) vertritt.

 

Erklärtes Ziel Ohsawas war es, einen Weg zu Glück und Gesundheit zu finden. Seine Philosophie basiert auf dem Daoismus (chin. 道教, dàojiào „Lehre des Weges“) und dem daraus abgeleiteten Prinzip der Zweiheit. Die beiden Pole der materiellen Welt werden als Yin und Yang bezeichnet, alle Phänomene werden auf einer fließenden Skala zwischen diesen beiden Polen eingeordnet, zusammen bilden sie die universelle Einheit.Alles, was existiert, so die Vorstellung, unterliege außerdem dem Ewigen Wandel. Als Hilfsmittel zur Einordnung in Yin und Yang dienen Gegensatzpaare wie heiß-kalt, schnell-langsam, oben-unten, flüssig-fest oder auch die Farbskala. Neben diesem Prinzip hatte Ohsawa die Vorstellung, der Mensch als Teil der Natur würde im Wesentlichen von seiner Nahrung determiniert. Die Nahrung werde vom Blut aufgenommen und gelange so in jede Zelle des Körpers. Organe und Nervenzellen, das Gehirn und somit letztlich auch das Denken würden so entscheidend von der aufgenommenen Nahrung beeinflusst („Du bist, was du isst“). Aus diesen beiden Vorstellungen entstand für Ohsawa die zentrale Annahme: Glück und Gesundheit erführe der Mensch dann, wenn er sich in einer Balance zwischen den beiden Extremen Yin und Yang befände.
Der Weg dahin führe u.a. über eine angemessene und ausgewogene Ernährung unter Vermeidung von extremen Yin- und extremen Yang-Nahrungsmitteln. Ohsawa verglich systematisch die modernen Ernährungsgewohnheiten mit dem, was man aus Aufzeichnungen und mündlichen Überlieferungen von der Ernährung vorausgegangener Generationen wusste. Er studierte den Körperbau des Menschen (insbesondere das Gebiss und den Verdauungstrakt) und leitete daraus seine Ernährungsempfehlungen ab.

 

Die Ernährung spielt in der Makrobiotik eine wesentliche Rolle. Die makrobiotische Ernährung ist weitestgehend vegetarisch und besteht vor allem aus unverarbeitetem Getreide, Algen, einigen Gemüsen und kleinen Mengen Fisch.

Alle Lebensmittel werden nach ihrer energetischen Eigenschaft eingeteilt in yin (ausdehnend), yang (zusammenziehend) oder völlig ausgewogen. Wichtigste Nahrungsgrundlage der Makrobiotik ist generell das ganze Korn verschiedener Getreidearten, vor allem Reis. Nach makrobiotischer Auffassung führt eine yang-betonte Ernährung zu inneren Verspannungen, eine yin-betonte Ernährung dagegen zu Konzentrationsmangel und Gedächtnissschwäche.